Man braucht keinen Glauben, um eine mutige Geste zu erkennen.
Weder Soutane noch Rosenkranz noch sonntägliche Messe, um zu spüren, wenn jemand sich für das Gute entscheidet, auch wenn es ihn etwas kostet.
Papst Franziskus ist gegangen.
Und ob gläubig oder nicht, wir spüren es.
Er war ein Mann, der die Angepassten aufrüttelte und die Vergessenen willkommen hieß. Der leise sprach und sich doch laut Gehör verschaffte. Der Throne gegen schlichte Stühle tauschte und Privilegien gegen Anwesenheit.
Er musste nie mit dem Finger zeigen, es genügte ihm, die Hand auszustrecken.
Er machte die Demut zu seiner Kanzel, die Nächstenliebe zu seinem Evangelium und die soziale Gerechtigkeit zu seinem täglichen Gebet.
Er stellte sich Skandalen, öffnete Türen, stand an der Seite der Armen, der Migranten, der Enttäuschten, derer, die längst aufgehört hatten, an die Kirche, an die Welt, an Gott zu glauben.
Das Dogma hat er nicht verändert, aber den Geist hat er aufgewühlt.
Und das ist an einem Ort, der so sehr an der Vergangenheit hängt, Wunder genug.
Franziskus hat uns gezeigt, dass Führen auch Dienen sein kann.
Dass man nicht schreien muss, um standhaft zu sein.
Dass Mitgefühl keine Schwäche ist und dass der Glaube, selbst in seinen kleinsten Gesten, eine Revolution sein kann.
Heute verabschiedet sich nicht nur ein Papst. Es verabschiedet sich ein seltener Mensch, einer von denen, die schon zu Lebzeiten Legende sind.
Und auch wenn diesmal kein weißer Rauch zum Himmel aufsteigt, wird das, was er uns hinterlassen hat, bleiben.
2 Kommentare
O que vemos nos outros é um espelho de nós.
E é preciso estar desperto para escrever assim.
Estas palavras tocam-nos.
Obrigada pela partilha.
Que bonito e justo texto. Obrigada